Neues aus Emden
Unterstützung auf Augenhöhe: Die Selbsthilfekontaktstelle in Emden stellt sich vor
Wenn das eigene Leben durch eine chronische Krankheit, eine seelische Krise oder besondere Lebensumstände aus den Fugen gerät, fühlen sich viele Betroffene und deren Angehörige zunächst allein gelassen. In solchen Momenten ist der Austausch mit Menschen, die genau wissen, was man durchmacht, oft der entscheidende Schlüssel zu neuer Zuversicht und Kraft. Eine zentrale Anlauf- und Drehscheibe für diesen wertvollen Austausch ist die Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Niedersachsen e.V. im Kreisverband Emden.
Betreut von den Mitarbeiterinnen Esther Maren Janßen und Noemi Kehlenbach, fungiert die Selbsthilfekontaktstelle des Paritätischen Emden als verlässlicher Wegweiser durch die vielfältige Emder Selbsthilfelandschaft.
Vielfältige Aufgaben: Brücken bauen und Gruppen stärken
Die Selbsthilfekontaktstelle kümmert sich um die Belange der knapp 40 aktiven Selbsthilfegruppen in Emden. Die thematische Bandbreite ist dabei enorm — allein mit dem Anfangsbuchstaben „A” finden sich Gruppen zu Themen wie Anonyme Alkoholiker, ADHS und Autismus, Adipositas, Adoption, Autoimmunerkrankungen, Alzheimer oder Aphasie.
Zu den Kernaufgaben der Kontaktstelle gehören die individuelle Beratung durch Orientierungsgespräche für Interessierte, die nach einer passenden Gruppe suchen oder sich über bestehende Angebote informieren möchten, sowie die Unterstützung bei Neugründungen: Hier begleitet die Selbsthilfekontaktstelle von der ersten Idee über die Raumsuche, Öffentlichkeitsarbeit und Datenschutzfragen bis hin zum inhaltlichen Aufbau und dem nachhaltigen Umgang mit den eigenen Kräften. Hinzu kommen die Öffentlichkeitsarbeit und der Schutz der Gruppen, indem Angebote in der Region sichtbar gemacht werden — insbesondere für anonym organisierte Gemeinschaften, die selbst nicht nach außen treten können. Nicht zuletzt pflegt die Kontaktstelle eine enge Netzwerkarbeit mit Forschungseinrichtungen, Kliniken, Krankenkassen und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens.
Die Grundpfeiler: Selbstbetroffenheit, Anonymität und Freiwilligkeit
Selbsthilfe basiert auf einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip: Sie lebt von der Begegnung auf Augenhöhe in einem geschützten, vertrauensvollen Raum. Ein ganz wesentliches Element ist das Ehrenamt der Gruppenleitung, bei dem die eigene Betroffenheit im Mittelpunkt steht. Durch die geteilte Erfahrung entfallen Berührungsängste. Betroffene erleben in den Gruppen Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung — sie werden wieder zu aktiven Gestaltern der eigenen Gesundheit, anstatt sich rein passiv durch ein oft überlastetes Gesundheitssystem zu bewegen.
Vorurteile vs. Realität: Lebendig, humorvoll und modern
Häufig halten sich über Selbsthilfegruppen hartnäckige Klischees: ein trister Stuhlkreis, bedrückte Stimmung und fehlende Professionalität. Die Realität vor Ort sieht jedoch ganz anders aus. Viele Gruppen treffen sich ungezwungen im Café, verabreden sich zu gemeinsamen Spaziergängen oder unternehmen Ausflüge. Es wird gelacht, diskutiert und gegenseitig Mut zugesprochen. Dass keine professionelle Fachkraft die Treffen leitet, ist kein Mangel, sondern die größte Stärke: In Kombination mit Fortbildungen, Workshops und Supervisionen erwächst aus der gelebten Erfahrung der Teilnehmenden eine einzigartige Expertise.
Grenzen und Voraussetzungen der Selbsthilfe
Selbsthilfegruppen haben weder den Anspruch noch die Aufgabe, ärztliche Behandlungen oder Psychotherapien zu ersetzen. Sie verstehen sich als ergänzende, unterstützende Säule in der individuellen Fürsorge. Damit die Teilnahme für alle Beteiligten gewinnbringend ist, gibt es klare Rahmenbedingungen: Die Teilnehmenden müssen mindestens 18 Jahre alt sein und den Willen mitbringen, aktiv an einer positiven Veränderung mitzuwirken — Selbsthilfe lebt vom Mitmachen, wer erwartet, rein passiv „gerettet” zu werden, stößt schnell an Grenzen. Insbesondere bei psychischen Erkrankungen ist zudem eine gewisse seelische Grundstabilität erforderlich. Selbsthilfegruppen können akute Krisen nicht auffangen; liegt beispielsweise eine schwere Depression ohne begleitende therapeutische oder ärztliche Anbindung vor, stößt die Gruppe an ihre Belastungsgrenzen.
Kontakt und Sprechzeiten
Wer sich für bestehende Gruppen interessiert, eine neue Initiative gründen möchte oder unverbindliche Information sucht, erreicht die Selbsthilfekontaktstelle zu folgenden Zeiten:
- Bürozeiten: Dienstag bis Donnerstag von 10:00 bis 12:00 Uhr sowie Dienstag von 15:00 bis 18:00 Uhr
- Träger: Paritätischer Wohlfahrtsverband Niedersachsen e.V., Kreisverband Emden
- Ansprechpartnerinnen: Esther Maren Janßen und Noemi Kehlenbach
- Kontaktadresse: Friedrich-Naumann-Straße 11, 26725 Emden
- Telefon: 04921 — 93 06 14
- Email: selbsthilfe-emden@paritaetischer.de
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Redaktion: LeserECHO Emden