Neues aus Emden
Zukunft des VW-Werks in Emden: Ministerpräsident Olaf Lies macht Hoffnung bei Standortbesuch
Die Diskussionen um die Zukunft des Volkswagen-Werks in Emden gehen in eine entscheidende Phase. Am Montag, 31. August 2026, trafen sich Vorstand und Betriebsrat vor Ort mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), um über die Zukunft des Standortes zu sprechen. Bisher hatte Lies eine Schließung des Emder Werks stets abgelehnt und sich wiederholt klar zum Standort bekannt. Auch bei diesem Besuch stand die Frage im Mittelpunkt, wie es mit dem reinen E‑Auto-Werk in Ostfriesland weitergehen soll.
Lies zeigt sich nach den Gesprächen zuversichtlich
Nach dem Austausch mit Vorstand und Betriebsrat äußerte sich Ministerpräsident Lies in Emden hoffnungsvoll. Seiner Einschätzung nach hat das Werk sämtliche Sparvorgaben erfüllt, auf die man sich bereits im Jahr 2024 verständigt hatte. Damals hatte sich der Betriebsrat gemeinsam mit dem Konzern auf ein umfangreiches Sparpaket geeinigt, um den Standort wirtschaftlich zukunftsfähig aufzustellen.
Lies machte deutlich, dass im Werk in Emden nach wie vor viel ungenutzter Platz vorhanden sei, um dort in größerem Umfang E‑Autos zu bauen. Die Elektromobilität sei ein klarer Wachstumsmarkt, den Volkswagen aus seiner Sicht konsequent mitdenken müsse. Bemerkenswert dabei: Emden ist bereits heute ein Werk, in dem ausschließlich Elektrofahrzeuge produziert werden – dennoch ist die Anlage nach Angaben von Lies derzeit nicht vollständig ausgelastet. Für ihn persönlich sei es nicht vorstellbar, dass an diesem Standort künftig keine E‑Autos mehr vom Band laufen.
Hohe Erwartungen der Belegschaft im Vorfeld des Besuchs
Bereits im Vorfeld des Treffens hatten die Beschäftigten des Werks von Ministerpräsident Lies ein klares und unmissverständliches Bekenntnis zu ihrem Standort erwartet. Die Haltung der Belegschaft war dabei eindeutig: Es existiert ein fester Vertrag mit Volkswagen. Dieser besagt, dass die Ostfriesen ab dem Jahr 2031 einen Nachfolger des Modells ID.4 bauen sollen – vorausgesetzt, das Emder Werk erreicht bis zum Jahresende eine Kosteneinsparung von 20 Prozent.
Nach Informationen des NDR will Lies dieses Anliegen auch auf höchster Ebene weiterverfolgen: Bei der kommenden, letzten Sitzung des Aufsichtsrats am Freitag will er demnach erneut auf eine einvernehmliche Lösung drängen, die sowohl im Sinne der Beschäftigten als auch im Sinne der gesamten Region ausfällt.
VW-Chef Blume: Endgültige Entscheidung zu Emden erst in Monaten
Ganz anders klangen zuletzt die Aussagen von VW-Chef Oliver Blume. Er hatte deutlich gemacht, dass eine finale Entscheidung über die Zukunft des Standorts Emden erst in sechs bis zwölf Monaten fallen werde. Blume betonte wiederholt, dass die Lage in gleich mehreren Werken – neben Emden auch in Zwickau und Hannover – als schwierig einzustufen sei.
Zusätzlich Brisanz erhält die Debatte durch Überlegungen innerhalb des Konzerns, ob im VW-Werk in Osnabrück künftig Rüstungsgüter produziert werden könnten. Hintergrund der angespannten Situation sind deutliche Gewinneinbrüche im Jahr 2025, in deren Folge Volkswagen einen umfassenden Sparkurs eingeleitet hat. Laut Unternehmensangaben sollen bis zum Jahr 2030 allein in Deutschland rund 50.000 Stellen abgebaut werden.
Kultusministerin Hamburg fordert tragfähige Lösung mit Perspektive
Neben Olaf Lies reiste am Montag auch Niedersachsens stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg (Grüne) nach Emden. Gegenüber dem NDR Niedersachsen machte sie deutlich, dass sie von allen Beteiligten die Bereitschaft erwarte, aufeinander zuzugehen. Es dürfe bei den Gesprächen nicht darum gehen, wer sich am Ende durchsetzt, sondern vielmehr darum, was gemeinsam für die Zukunft von Volkswagen und der Beschäftigten erreicht werden könne.
Wörtlich erklärte die niedersächsische Kultusministerin: „Wir brauchen jetzt keine kleinste gemeinsame Position, sondern eine tragfähige Lösung mit Perspektive.“ Damit dies gelingen könne, müssten aus ihrer Sicht alle Beteiligten bereit sein, Verantwortung für den Prozess zu übernehmen.
Lies zur Arbeitszeit-Debatte: „Das müssen die Tarifparteien machen“
Für Diskussionsstoff sorgte zuletzt auch ein Vorschlag von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ins Gespräch gebracht hatte. Auf diesen Vorstoß angesprochen, positionierte sich Olaf Lies klar: Die Politik dürfe sich nicht hinstellen und derart konkrete tarifliche Vorgaben machen. Das sei allein Aufgabe der Tarifparteien, so Lies weiter.
Auch von gewerkschaftlicher Seite kam am Montag in Emden eine klare Reaktion: Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo erteilte dem Vorschlag einer Arbeitszeitverlängerung eine deutliche Absage.
Ein Standort zwischen Hoffnung und Unsicherheit
Der Besuch in Emden macht deutlich, wie stark die Interessen von Landespolitik, Konzernführung, Betriebsrat und Belegschaft in der aktuellen VW-Krise aufeinandertreffen. Während Ministerpräsident Lies auf die erfüllten Sparvorgaben und ungenutzte Kapazitäten für die E‑Mobilität verweist, hält sich der Konzern mit einer endgültigen Standortentscheidung noch Monate Zeit. Für die Beschäftigten in Emden bleibt der zugesagte Bau eines ID.4‑Nachfolgers ab 2031 dabei ein zentraler Bezugspunkt, an dem sich die weiteren Verhandlungen messen lassen müssen.
Quellen:
NDR: „VW-Chef Blume in Emden: Wir kämpfen um industrielle Perspektiven“ vom 26. August 2026
— Redaktion: LeserECHO Emden