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PISA-Ergebnisse: Paritätischer fordert höheres Teilhabepaket für Schulkinder
Angesichts der aktuellen PISA-Studie fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband Niedersachsen politische Maßnahmen gegen Kinder- und Familienarmut sowie eine Anhebung der staatlichen Teilhabeleistungen. Auslöser sind die Studienergebnisse, wonach der schulische Erfolg in Deutschland im internationalen Vergleich besonders stark von den finanziellen Voraussetzungen des Elternhauses bestimmt wird.
Nach Angaben des Verbandes erreichen von 100 Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien lediglich zwei den Spitzenbereich der Kompetenzen. Bei Gleichaltrigen aus wohlhabenderen Haushalten sind es hingegen 25. Zudem seien die herkunftsbedingten Unterschiede in Deutschland seit 2015 wieder gewachsen, während sie international im Schnitt sanken. Mehr als 90 Prozent der untersuchten Staaten gelingt die Entkopplung von Herkunft und schulischem Erfolg mittlerweile besser als Deutschland.
Kosten zum Schulstart übersteigen staatliche Pauschale deutlich
Welche finanziellen Hürden bereits bei der Einschulung entstehen, belegt eine Auswertung des Paritätischen auf Grundlage realer Materiallisten für die erste Klasse. Für die elementare Grundausstattung – bestehend aus Schulranzen-Set, Mäppchen, Heften, Schreib- und Zeichenutensilien sowie Sport- und Kunstbekleidung – fallen bei preisgünstigen Angeboten bereits rund 475 Euro an.
Kommen die Eigenanteile für Schulbücher und Arbeitshefte in Höhe von etwa 70 Euro sowie die Befüllung der Schultüte mit rund 30 bis 100 Euro hinzu, belaufen sich die Gesamtkosten für den Einstieg in die Grundschule auf 550 bis über 600 Euro. Hinzu kommt eine spürbare Preissteigerung: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verteuerten sich Schreibwaren und Zeichenmaterialien seit 2020 um etwa 27,5 Prozent, was deutlich über der allgemeinen Inflationsrate liegt.
Diesen Ausgaben stehen Leistungen aus dem staatlichen Bildungs- und Teilhabepaket gegenüber. Dieses sieht aktuell einen jährlichen Betrag von insgesamt 195 Euro vor, aufgeteilt auf zwei Auszahlungszeitpunkte zu Schuljahresbeginn und zum Halbjahr.
Verband fordert Ausweitung des Empfängerkreises
Stefan Kamer, Kreisverbandsgeschäftsführer beim Paritätischen, kritisiert diesen Betrag als unzureichend, da die Pauschale nicht einmal die Hälfte der tatsächlich anfallenden Kosten zum Schulstart abdecke. Wenn Kinder aus einkommensarmen Haushalten bereits zum Schulbeginn finanziell benachteiligt würden, gefährde dies ihre gesamte weitere Bildungsbiografie.
Der Paritätische Niedersachsen verlangt daher eine spürbare Anhebung der Beträge im Bildungs- und Teilhabepaket. Zudem soll der Kreis der Anspruchsberechtigten geöffnet werden, um auch Familien mit geringem Einkommen zu unterstützen, die knapp über den bisherigen Einkommensgrenzen liegen und die Kosten für Schulmaterialien derzeit vollständig selbst tragen müssen.
— Redaktion: LeserECHO Emden