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„Diese Arbeit hat mich gefunden“: Die Suppenküche an der Christuskirche in Leer
Foto: Sigrid Duhn-Jäckel in der Suppenküche vor Ort. — Quelle: Privat
Eine warme Mahlzeit, ein gedeckter Tisch und Menschen, die zuhören: Seit 1998 ist die Suppenküche an der Christuskirche in Leer ein Anlaufpunkt für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Gegründet wurde sie von der inzwischen pensionierten Pastorin Sigrid Duhm-Jäckel. Was mit fünf Gästen begann, erreicht heute Woche für Woche durchschnittlich 70 bis 90 Menschen.
Aus der Kälte an einen gedeckten Tisch
Die Idee zur Suppenküche entstand im Herbst 1998. Damals kamen Menschen ohne Obdach zum Gottesdienst in die Christuskirche, um sich aufzuwärmen. In einer nahe gelegenen Übernachtungsstation konnten sie zwar die Nacht verbringen, tagsüber mussten sie jedoch wieder hinaus in die Kälte.
Für Sigrid Duhm-Jäckel war das ein Anlass zu handeln: „Wir predigen Nächstenliebe, Wärme und Geborgenheit – und schicken die Menschen dann wieder hinaus.“
Am ersten Advent 1998 öffnete die Suppenküche erstmals ihre Türen. Das Team hatte 50 Portionen Erbsensuppe vorbereitet, fünf Gäste kamen. Sie nahmen an einem gedeckten Tisch mit Blumen und Kerzen Platz und wurden bedient. Besonders in Erinnerung geblieben ist der Gründerin eine Frau, die sich über diese Gastlichkeit und Würde freute.
„Diese Arbeit habe ich nicht gesucht – sie hat mich gefunden“, sagt Duhm-Jäckel rückblickend.
Mehr als eine warme Mahlzeit
Heute besuchen Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Sorgen die Suppenküche: Menschen ohne Wohnung, Menschen mit wenig Geld, ältere und jüngere Menschen in schwierigen Lebenslagen sowie Menschen mit Suchterfahrungen oder psychischen Problemen.
Neben dem Essen spielt die Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Auch Einsamkeit sei eine Form von Armut, sagt die Gründerin. Sie erinnert sich an eine Besucherin, die ihr erzählte, wie schwer es ihr falle, sonntags allein zu essen. In der Suppenküche dagegen treffe sie andere Menschen.
Wer längere Zeit nicht kommt, nach dem wird gefragt. Für viele sei es wichtig zu wissen, dass jemand auf sie achte. Der Begriff „Gäste“ ist dabei bewusst gewählt: Die Menschen sollen sich am gemeinsamen Tisch willkommen fühlen.
Glaube und praktische Hilfe gehören zusammen
Für Sigrid Duhm-Jäckel sind ihr christlicher Glaube und die Arbeit in der Suppenküche eng miteinander verbunden. „Beten und Handeln gehören für mich zusammen, Gottesdienst und Dienst am Nächsten ebenso“, sagt sie.
Wenn es ihr möglich ist, besucht sie die Suppenküche sonntags selbst, spricht ein Gebet oder gibt einen kurzen geistlichen Impuls. Ihr Anliegen ist es, den Menschen zu vermitteln, dass sie gesehen und wertgeschätzt werden.
Mehr als 40 Ehrenamtliche unterstützen die Suppenküche
Dass die Suppenküche an der Christuskirche seit so vielen Jahren besteht, verdankt sie nach den Worten ihrer Gründerin vielen helfenden Händen. Heute engagieren sich mehr als 40 Ehrenamtliche. Hinzu kommen Spenderinnen und Spender, Vereine und weitere Unterstützer.
Auch während der Corona-Pandemie blieb die Versorgung bestehen. Weil die Gäste nicht wie gewohnt im Gemeindehaus empfangen werden konnten, packten die Helfenden Essen und Lebensmittel und brachten sie jedes Wochenende zu den Menschen nach Hause. Dank zahlreicher Spenden konnten außerdem Lebensmittelgutscheine ausgegeben werden.
Manche Gäste helfen ebenfalls mit. Einer von ihnen unterstützt beim Saubermachen und beschreibt seinen Beitrag so: „Für mich ist das Gottesdienst, wenn ich hier den Saal sauber mache. Ich gebe etwas zurück von dem, was ich bekomme.“
Bundesverdienstkreuz als Anerkennung für die Gemeinschaft
Für ihr Engagement wurde Sigrid Duhm-Jäckel mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Über die Anerkennung habe sie sich sehr gefreut. Zugleich betont sie, dass sie die Auszeichnung mit allen Menschen teile, die in der Suppenküche mitarbeiten.
Entscheidend ist für sie, nicht wegzusehen, sondern verlässlich für andere da zu sein: Menschen anzusprechen, zuzuhören und ihnen zu zeigen, dass sie nicht übersehen werden.
— Redaktion: LeserECHO Emden