Neues aus Emden

Oran­ge Day 2025 in Emden: Ein star­kes Zei­chen gegen Gewalt an Frau­en und Mädchen

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Emden setz­te am 25. Novem­ber 2025 ein sicht­ba­res, gemein­schaft­li­ches Zei­chen: Zum Inter­na­tio­na­len Tag gegen Gewalt an Frau­en – welt­weit als Oran­ge Day bekannt – rück­te die Stadt das The­ma Dis­kri­mi­nie­rung und Gewalt an Frau­en und Mäd­chen in den Mit­tel­punkt. Der Gedenk- und Akti­ons­tag stand in Emden für kla­re Hal­tung, geleb­te Soli­da­ri­tät mit Betrof­fe­nen und das unmiss­ver­ständ­li­che Bekennt­nis: Gewalt hat in die­ser Stadt kei­nen Platz. Getra­gen von einem brei­ten Bünd­nis – dem Netz­werk Gewalt­prä­ven­ti­on Emden, Orga­ni­sa­ti­ons­ein­hei­ten der Stadt­ver­wal­tung, der vhs Emden e.V., der Evan­ge­li­schen Fami­li­en-Bil­dungs­stät­te sowie der Hoch­schu­le Emden/Leer – ent­stand ein dich­tes Pro­gramm aus Infor­ma­ti­on, Betei­li­gung und sicht­ba­ren Zei­chen im öffent­li­chen Raum. Bereits am Vor­mit­tag hiss­te die Stadt die Flag­ge „Wir sagen NEIN zu Gewalt gegen Frau­en“ und setz­te damit den sym­bo­li­schen Auf­takt, der vie­le Pas­san­tin­nen und Pas­san­ten inne­hal­ten ließ.

Im Lau­fe des Tages infor­mier­ten viel­fäl­ti­ge Aktio­nen über Hilfs­an­ge­bo­te, Prä­ven­ti­on und Anlauf­stel­len, Mög­lich­kei­ten, Bera­tungs­we­ge und Schutz­räu­me. Infor­ma­ti­ons­ma­te­ri­al ver­wies auf das Hil­fe­te­le­fon „Gewalt gegen Frau­en“ und regio­na­le Netz­wer­ke. Par­al­lel dazu lud die Mit­mach­ak­ti­on „Wir bre­chen das Schwei­gen“ dazu ein, Hal­tung zu zei­gen und der Sprach­lo­sig­keit gegen­über häus­li­cher und sexua­li­sier­ter Gewalt etwas ent­ge­gen­zu­set­zen. Unter dem Hash­tag #oran­ge­em­den setz­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in den sozia­len Medi­en sicht­ba­re State­ments; Fotos, kur­ze Bot­schaf­ten und Erfah­rungs­be­rich­te ver­brei­te­ten das Anlie­gen weit über die Stadt­gren­zen hin­aus. Ein ein­dring­li­ches Bild schuf die Pla­ka­t­in­stal­la­ti­on „FEMIZIDE STOPPEN“ am Delft. Sie erin­ner­te an töd­li­che Gewalt gegen Frau­en, ver­deut­lich­te, dass Femi­zi­de kei­ne Ein­zel­fäl­le sind, son­dern Aus­druck struk­tu­rel­ler Gewalt, und bot vie­len Gesprä­chen einen Aus­gangs­punkt, weil sie nüch­ter­ne Zah­len und per­sön­li­che Schick­sa­le glei­cher­ma­ßen sicht­bar mach­te. Die­se Sicht­bar­keit ver­band Sym­bo­lik und Hoff­nung, ohne die Dring­lich­keit zu verschweigen.

Wis­sens­ver­mitt­lung stand gleich­be­rech­tigt neben der sicht­ba­ren Akti­on. Der Vor­trag „Hin­ter den Gar­di­nen – Part­ner­ge­walt und Prä­ven­ti­on“ mach­te Dyna­mi­ken häus­li­cher Gewalt ver­ständ­lich, benann­te Warn­si­gna­le und zeig­te Wege der Inter­ven­ti­on – für Betrof­fe­ne wie für ihr Umfeld, das oft ent­schei­dend hel­fen kann. Die Akti­on „Oran­ge Bank – #kein­platz­für­ge­walt“ sen­si­bi­li­sier­te im Stadt­raum dafür, Grenz­ver­let­zun­gen zu erken­nen und Zivil­cou­ra­ge zu zei­gen: Wer Platz nahm, bezog Posi­ti­on gegen Weg­se­hen und für eine Kul­tur des Hin­se­hens. Auch Netz­wer­ke in den Quar­tie­ren tru­gen das The­ma: Das Netz­werk Baren­burg initi­ier­te eige­ne Aktio­nen und band Nach­bar­schaf­ten aktiv ein. Mit „Walk & Talk“ fand ein abend­li­cher Frau­en­spa­zier­gang statt, der Aus­tausch, Empower­ment und die selbst­be­wuss­te Rück­erobe­rung öffent­li­cher Räu­me aus weib­li­cher Per­spek­ti­ve ver­band. Die Hoch­schu­le Emden/Leer flan­kier­te den Tag mit den „Akti­ons­ta­gen Respekt­vol­ler Umgang 2025“. Work­shops, Gesprä­che und Kam­pa­gnen­bei­trä­ge the­ma­ti­sier­ten grenz­ach­ten­des Ver­hal­ten, Con­sent und Prä­ven­ti­on – ein wich­ti­ger Bau­stein, um jun­ge Men­schen für respekt­vol­le Kom­mu­ni­ka­ti­on und Bezie­hun­gen zu sensibilisieren.

Beglei­tet wur­den die Aktio­nen von Fak­ten der städ­ti­schen Gleich­stel­lungs­stel­le. Sie erläu­ter­te, was unter „Gewalt gegen Frau­en“ fällt – von psy­chi­scher, digi­ta­ler und wirt­schaft­li­cher Gewalt über Stal­king bis zu kör­per­li­chen Über­grif­fen – und war­um Betrof­fe­ne oft zu spät Hil­fe erhal­ten. Aktu­el­le Zah­len beleg­ten stei­gen­de Betrof­fe­nen­zah­len und mach­ten den Bedarf an nied­rig­schwel­li­gen Zugän­gen deut­lich. Immer wie­der ver­wie­sen die Betei­lig­ten auf das Hil­fe­te­le­fon „Gewalt gegen Frau­en“, loka­le Bera­tungs­stel­len und Schutz- sowie Not­ruf­an­ge­bo­te. Die Bot­schaft war ein­deu­tig: Hil­fe ist da – rund um die Uhr, anonym und kos­ten­frei. Ansprech­part­ne­rin war die Gleich­stel­lungs­be­auf­trag­te der Stadt, Gaby Phil­ipps, die Rück­fra­gen bün­del­te, Hin­wei­se auf­nahm und die Ver­net­zung der betei­lig­ten Ein­rich­tun­gen steuerte.

Der Oran­ge Day 2025 zeig­te, dass Emden Ver­ant­wor­tung über­nimmt – insti­tu­tio­nell, zivil­ge­sell­schaft­lich und per­sön­lich. Aktio­nen, Beleuch­tun­gen, Vor­trä­ge und Gesprä­che mach­ten sicht­bar, wie Prä­ven­ti­on, Auf­klä­rung und kon­kre­ter Schutz inein­an­der­grei­fen. Aus vie­len klei­nen Ges­ten ent­stand ein gro­ßes Bild: eine Stadt, die Betrof­fe­nen glaubt, die aktiv unter­stützt und klar­stellt, dass Gewalt weder pri­vat noch hin­nehm­bar ist. Am Ende die­ses Tages blieb mehr als eine Far­be im Stadt­bild. Emden hat mit Nach­druck gezeigt, wofür der Oran­ge Day steht: für Sicht­bar­keit, Schutz und Soli­da­ri­tät – und für das gemein­sa­me Ziel, Gewalt gegen Frau­en und Mäd­chen zu beenden.


Redak­ti­on: Lese­r­ECHO Emden

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Gene­ral­kon­vent in Emden: Kir­che zwi­schen Gemein­schaft, Wan­del und KI

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Wie kann Kir­che Men­schen ver­bin­den, Ori­en­tie­rung geben und zugleich offen für neue Ent­wick­lun­gen blei­ben? Mit die­sen Fra­gen hat sich der Gene­ral­kon­vent des Spren­gels Ost­fries­land-Ems am 20. Mai 2026 in Emden beschäf­tigt – und dabei auch Künst­li­che Intel­li­genz als Zukunfts­the­ma in den Blick genommen.

Gene­ral­kon­vent des Spren­gels Ost­fries­land-Ems tagt in Emden

Pas­to­rin­nen und Pas­to­ren aus den Kir­chen­krei­sen des Spren­gels Ost­fries­land-Ems kamen am 20. Mai 2026 in Emden zusam­men, um gemein­sam Got­tes­dienst zu fei­ern, aktu­el­le Ent­wick­lun­gen zu bera­ten und über die Zukunft kirch­li­cher Arbeit ins Gespräch zu kom­men. Der Tag stand dabei sicht­bar im Zei­chen von Aus­tausch und gemein­sa­mer Ori­en­tie­rung: Es ging um das, was Kir­che vor Ort trägt – und um das, was sich ver­än­dern muss.

Got­tes­dienst in der Mar­tin-Luther-Kir­che und Ehrun­gen für Jubiläen

Den Auf­takt bil­de­te ein Got­tes­dienst in der Mar­tin-Luther-Kir­che Emden, der bischöf­li­chen Pre­digt­kir­che des Spren­gels. Im Rah­men des Got­tes­diens­tes wur­den meh­re­re Pas­to­rin­nen und Pas­to­ren für ihre Ordi­na­ti­ons­ju­bi­lä­en geehrt. Für ihr 25. Ordi­na­ti­ons­ju­bi­lä­um wur­den Hei­no Dirks, Dr. Andre­as Lüder, Joa­chim Poth­mann, Chris­ti­an Erchin­ger und Chris­tia­ne Schus­ter-Scholz aus­ge­zeich­net. Pas­tor i. R. Ger­hard Küsel wur­de für 50 Jah­re Ordi­na­ti­ons­dienst geehrt.

Pre­digt mit Blick auf Ver­stän­di­gung – bis hin zur Künst­li­chen Intelligenz

In ihrer Pre­digt griff Regio­nal­bi­schö­fin Sabi­ne Schier­mey­er die Pfingst­ge­schich­te auf und stell­te die Fra­ge nach gelin­gen­der Ver­stän­di­gung in den Mit­tel­punkt. Spra­che kön­ne ver­bin­den, aber auch tren­nen. Wirk­li­ches Ver­ste­hen brau­che Offen­heit, Zuhö­ren und den Mut, sich auf ande­re Per­spek­ti­ven einzulassen.

Schier­mey­er spann­te den Bogen dabei aus­drück­lich bis in die Gegen­wart moder­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men, dar­un­ter Künst­li­che Intel­li­genz. KI – also Sys­te­me, die auf Basis von Daten Mus­ter erken­nen und Inhal­te oder Vor­schlä­ge erzeu­gen kön­nen – kön­ne hel­fen, Ver­stän­di­gung zu för­dern, erset­ze aber nicht per­sön­li­che Begeg­nung und mensch­li­ches Mitgefühl.

Schwer­punkt KI: Chan­cen, Gren­zen und ethi­sche Orientierung

Ein inhalt­li­cher Schwer­punkt des Gene­ral­kon­vents war das The­ma Künst­li­che Intel­li­genz. Unter dem Titel „Mensch, Maschi­ne, Mis­si­on – Wie KI die Kir­che her­aus­for­dert“ gestal­te­ten Dr. Karl Teil­le, Refe­rent für KI und Ethik der Evan­ge­lisch-luthe­ri­sche Lan­des­kir­che Han­no­vers, und Chris­ti­an Ster­zik, Lei­ter der Stabs­stel­le Digi­ta­li­sie­rung in der Evan­ge­li­sche Kir­che in Deutsch­land, einen Impulsvortrag.

Die Refe­ren­ten mach­ten deut­lich, dass Kir­che sich aktiv mit KI aus­ein­an­der­set­zen müs­se. Künst­li­che Intel­li­genz kön­ne Ver­wal­tungs­ab­läu­fe erleich­tern und neue Mög­lich­kei­ten in Bera­tung, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Seel­sor­ge eröff­nen. Gleich­zei­tig brau­che es kla­re ethi­sche Ori­en­tie­rung und einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit der Tech­no­lo­gie. Beson­ders in der Seel­sor­ge sei­en mensch­li­che Nähe, Mit­ge­fühl und per­sön­li­che Begeg­nung uner­setz­bar. In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de laut Mit­tei­lung deut­lich, wie groß das Inter­es­se ist – und dass gleich­zei­tig Fra­gen und Sor­gen mit Blick auf Chan­cen und Risi­ken von KI bestehen.

Berich­te aus Lan­des­kir­che und Spren­gel: Ver­än­de­run­gen, Ein­spa­run­gen, neue Formate

Im wei­te­ren Ver­lauf berich­te­te Ralf Meis­ter aus der Lan­des­kir­che. Er sprach über aktu­el­le Ver­än­de­rungs­pro­zes­se und beton­te, dass sich Kir­che in einem tief­grei­fen­den Wan­del befin­de. Zugleich stell­te er die Treue Got­tes als ver­läss­li­ches Fun­da­ment in beweg­ten Zei­ten her­aus. Chris­tin­nen und Chris­ten sei­en beru­fen, Zeu­gin­nen und Zeu­gen die­ser Treue zu sein.

Regio­nal­bi­schö­fin Sabi­ne Schier­mey­er berich­te­te zudem aus dem Spren­gel Ost­fries­land-Ems. Sie hob her­vor, wie wich­tig Begeg­nun­gen vor Ort, Visi­ta­tio­nen und neue krea­ti­ve For­men kirch­li­chen Lebens sei­en. Zugleich ver­wies sie auf Her­aus­for­de­run­gen durch not­wen­di­ge Ver­än­de­run­gen und Ein­spa­run­gen. Gera­de im länd­li­chen Raum blei­be Kir­che ein wich­ti­ger Ort für Gemein­schaft, Bil­dung und Begeg­nung. Als ermu­ti­gen­de Bei­spie­le wur­den das tol­le Mit­singfes­ti­val im Mai sowie belieb­te For­ma­te wie Tauf­fes­te oder jetzt neu „Ein­fach hei­ra­ten“ genannt.

Abschluss mit Dank und Reisesegen

Zum Abschluss dank­te Schier­mey­er allen haupt- und ehren­amt­lich Enga­gier­ten für ihren Ein­satz. Der Gene­ral­kon­vent ende­te mit einem gemein­sa­men Rei­se­se­gen. Der Tag mach­te deut­lich, wie wich­tig Aus­tausch, Gemein­schaft und gegen­sei­ti­ge Ermu­ti­gung für die kirch­li­che Arbeit sind – und dass Kir­che in Zei­ten des Wan­dels von Men­schen lebt, die Ver­ant­wor­tung über­neh­men und Zukunft gestalten.

Quellen/Kontakt/Hinweise

Quel­le: Pres­se­mit­tei­lung zum Gene­ral­kon­vent des Spren­gels Ost­fries­land-Ems am 20. Mai 2026 in Emden.

Bild­hin­weis

Bild­un­ter­schrift: Ehrung der Ordi­na­ti­ons­ju­bi­lä­en in der Mar­tin-Luther-Kir­che, v.l. Dagrun Peter­hans, Lan­des­bi­schof Ralf Meis­ter, Pas­tor i. R. Ger­hard Küsel wur­de für sein 50. Ordi­na­ti­ons­ju­bi­lä­um geehrt, 25. Ordi­na­ti­ons­ju­bi­lä­um der Pas­to­ren und Pas­to­rin: Chris­tia­ne Schus­ter-Scholz aus der St. Jür­gens Kir­chen­ge­mein­de Hol­trop, Chris­ti­an Erchin­ger aus der Pau­lus-Kir­chen­ge­mein­de Heis­fel­de, Joa­chim Poth­mann, Schul­pas­tor am Gym­na­si­um Ulri­cia­num Aurich und Befkus, Dr. Andre­as Lüder aus der Chris­tus-Kir­chen­ge­mein­de Groß­hei­de, Hei­no Dirks aus der Kir­chen­ge­mein­de Völ­len und Sabi­ne Schier­mey­er, Regionalbischöfin.

Quel­le: Julia Fischer

— Redak­ti­on: Lese­r­ECHO Emden

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Whis­ky-Tasting in der Ida-Destil­le: Ein Abend mit Genuss­welt Klus – kura­tiert von Hein­fried Tacke

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Hei­ke und Ste­phan von der Genuss­welt Klus waren dies­mal nicht Gast­ge­ber, son­dern Gäs­te: Für ein Whis­ky-Tasting ging es nach Rhau­der­fehn in die Ida-Destil­le, Ost­fries­lands ein­zi­ge aktiv pro­du­zie­ren­de Destil­le. Zwi­schen Duft­no­ten, Fach­wis­sen und leben­di­gen Dis­kus­sio­nen wur­de der Abend zu einer genuss­vol­len Ent­de­ckungs­rei­se – mit Inspi­ra­tio­nen, die spä­ter auch in Emden nach­klin­gen könnten.

Hein­fried Tacke als Ver­an­stal­ter und Spea­k­er – der Impuls­ge­ber des Abends

Aus­lö­ser und Kura­tor die­ses beson­de­ren Tasting-Abends war Hein­fried Tacke. In Abspra­che mit Destil­len-Inha­be­rin Hei­di Brin­trup wähl­te er die Ida-Destil­le als Ort sei­nes Vor­trags und führ­te fach­kun­dig durch Dra­ma­tur­gie und Inhalt des Pro­gramms. Tacke, Jahr­gang 1962, lebt und arbei­tet in Kon­stanz. Der stu­dier­te Phi­lo­soph und Diplom-Päd­ago­ge befasst sich seit 1995 inten­siv mit Genuss­the­men, schreibt seit vie­len Jah­ren für das Fach­ma­ga­zin „Der Whis­ky-Bot­schaf­ter“ und über­nahm 2014 des­sen Chef­re­dak­ti­on. 2004 ver­öf­fent­lich­te er erst­mals einen Whis­ky­füh­rer für Deutsch­land, 2007 folg­te die 1. Aus­ga­be des „Whis­ky Gui­de Deutsch­land“, in dem er seit 2009 auch gezielt dem deut­schen Whis­ky ein Forum gibt. 2012 grün­de­te er das „Forum Deut­sche Whis­kys“, den Vor­läu­fer des „Ver­bands Deut­scher Whis­ky­bren­ner“. Für sei­ne Ver­diens­te wur­de Hein­fried Tacke 2015 zum „Kee­per of the Quaich“ ernannt. Als Ver­an­stal­ter und Spea­k­er präg­te er den Abend in Rhau­der­fehn mit pro­fun­dem Wis­sen, prä­zi­ser Sen­so­rik und leben­di­ger Moderation.

Zu Gast in Ost­fries­lands ein­zi­ger aktiv pro­du­zie­ren­der Destille

Die Ida-Destil­le in Rhau­der­fehn ist Ost­fries­lands ein­zi­ge aktiv pro­du­zie­ren­de Bren­ne­rei – ein Ort, an dem tra­di­tio­nel­le Hand­werks­kunst und moder­ne Exper­ti­se auf­ein­an­der­tref­fen. Erst im April wur­de die Bren­ne­rei mit dem „The Excel­lence of Whis­ky Awards 2026“ aus­ge­zeich­net und damit zu den bes­ten Bren­ne­rei­en in ganz Deutsch­land gezählt. Der warm erleuch­te­te Ver­kos­tungs­raum trägt den Duft von Malz, Holz und Gewür­zen, wäh­rend die kup­fer­ne Anla­ge, lie­be­voll „die ele­gan­te Ida“ genannt, als glän­zen­des Herz­stück der Pro­duk­ti­on den Ton angibt. Die Atmo­sphä­re macht unmit­tel­bar spür­bar, wie eng hier hand­werk­li­che Prä­zi­si­on und genuss­vol­le Neu­gier zusam­men­ge­hö­ren und wie selbst­ver­ständ­lich die Bren­ne­rei Besu­che­rin­nen und Besu­cher in die­se Welt hineinführt.

Für die bei­den aus der Gro­ßen Stra­ße in Emden war das ein Rol­len­wech­sel: nicht vor­ne mode­rie­ren, son­dern sich füh­ren las­sen – und genau das eröff­ne­te Raum, Aro­men und Her­an­ge­hens­wei­sen ohne Zeit­druck auf sich wir­ken zu lassen.

„Batt­le“ im Glas: So wur­de verkostet

Das Tasting war klar auf­ge­baut und setz­te auf direk­te Ver­glei­che: In meh­re­ren Run­den tra­ten die Whis­kys in ein Duell – ein „Batt­le“ der Cha­rak­te­re. Bevor pro­biert wur­de, ging es um den ers­ten Ein­druck im Glas: Wie fließt der Whis­ky, wel­che Schlie­ren bil­det er, wie wirkt die Far­be im Licht? Erst danach folg­te die Nase, dann der ers­te Schluck, beglei­tet von Hein­fried Tackes Mode­ra­ti­on, dem Ida-Team und den Ein­schät­zun­gen der Runde. 

Hei­ke und Ste­phan brach­ten ihre Erfah­rung aus der Genuss­welt Klus spür­bar ein. Ihr Sen­so­ri­um wirk­te geschult, die Spra­che prä­zi­se – und trotz­dem blieb der Aus­tausch offen und ein­la­dend. Genau die­se Mischung gab dem Abend eine Dyna­mik, die nicht beleh­rend, son­dern gemein­schaft­lich wirkte.

Wenn „leich­te­re“ Whis­kys die Dis­kus­si­on anheizen

Beson­ders leb­haft wur­de es in der zwei­ten Run­de, als bewusst „leich­te­re“ Ver­tre­ter mit nied­ri­ge­rem Alko­hol­ge­halt ins Ren­nen gin­gen. Was zunächst nach „Ver­schnauf­pau­se“ klang, wur­de zum Per­spek­tiv­wech­sel: Plötz­lich tra­ten ande­re Nuan­cen her­vor, Frucht­no­ten wirk­ten zar­ter, Gewür­ze fei­ner, der Abgang wei­cher. Und damit stand eine Fra­ge im Raum, die spür­bar Bewe­gung aus­lös­te: Ist leich­ter gleich weni­ger kom­plex? Oder ent­ste­hen gera­de durch die gerin­ge­re Stär­ke neue Ebe­nen, die bei höhe­rem Volu­men­pro­zent unter­ge­hen würden?

 Es wur­de dis­ku­tiert, ver­gli­chen und neu sor­tiert – genau so, wie man es sich wünscht, wenn Neu­gier und Erfah­rung zusammenkommen.

Ein­bli­cke ins Hand­werk: Von Roh­stof­fen bis Fassreife

Zwi­schen den Run­den gab das Team der Ida-Destil­le – flan­kiert von Tackes Ein­ord­nun­gen – Hin­ter­grün­de zur Pro­duk­ti­on: von Roh­stof­fen und Mai­sche über die Destil­la­ti­on bis zur Fass­rei­fe, vom Ein­fluss der Fass­ar­ten bis zur Kunst des Blen­dens. Dadurch wur­den die Ein­drü­cke im Glas greif­ba­rer. Aro­men stan­den nicht mehr nur als Begrif­fe im Raum, son­dern lie­ßen sich als Ergeb­nis kon­kre­ter Ent­schei­dun­gen rund um Brenn­kes­sel und Lager nachvollziehen.

Favo­ri­ten­wahl ohne Ein­heits­mei­nung – und genau das ist der Punkt

Am Ende stand die Kür: die Wahl des Favo­ri­ten. Eine ein­deu­ti­ge Ent­schei­dung gab es nicht – und gera­de das mach­te den Reiz aus. Wäh­rend die einen eine kla­re Kirsch­no­te wahr­nah­men, iden­ti­fi­zier­ten ande­re eine Erin­ne­rung an „Bubble-Gum“. Wo hier Vanil­le und nussi­ge Wär­me im Vor­der­grund stan­den, fan­den ande­re dunk­le Bee­ren und einen Hauch Kakao.

 Hei­ke und Ste­phan nah­men aus die­sem Abend nicht nur Ein­drü­cke, son­dern kon­kre­te Inspi­ra­tio­nen mit – neue Akzen­te, mit denen sich das Sor­ti­ment der Genuss­welt Klus wei­ter ver­fei­nern lässt, so sorg­fäl­tig kura­tiert, wie man es aus Emden kennt.

Als sich spä­ter die Türen der Destil­le in die küh­le Nacht öff­ne­ten, blieb vor allem eines hän­gen: Die­ses Tasting war mehr als eine Ver­kos­tung. Es war eine Rei­se durch Hand­werk und Her­kunft, durch Nuan­cen und Noten – ermög­licht durch die Exper­ti­se der Ida-Destil­le, die ent­de­ckungs­freu­di­ge Hal­tung der Genuss­welt Klus und die klu­ge, inspi­rie­ren­de Regie von Hein­fried Tacke, des­sen Aus­wahl der Loca­ti­on und Rol­le als Ver­an­stal­ter und Spea­k­er dem Abend sei­nen cha­rak­te­ris­ti­schen Rah­men gaben.

— Redak­ti­on: Lese­r­ECHO Emden

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