Neues aus Ostfriesland
Großkontrolle an der Grenze: Behörden gehen auf A31 gegen Kriminalität vor
A31/Rheiderland. Mit einer groß angelegten Kontrollaktion haben mehrere Behörden am Freitag (13.03.2026) entlang der deutsch-niederländischen Grenze Präsenz gezeigt und gezielt gegen grenznahe sowie grenzüberschreitende Kriminalität vorgegangen. Unter Federführung der Autobahnpolizei Leer fanden die Maßnahmen im Zeitraum von 13:00 bis 21:00 Uhr auf der Bundesautobahn 31 statt – konkret im Bereich des Parkplatzes Rheiderland in Fahrtrichtung Emden. Ergänzend kontrollierten mobile Teams auch Umleitungs- und Nebenstrecken der A280 sowie der A31.
Ziel war es, typische Deliktsfelder im Grenzraum zu bekämpfen. Im Fokus standen dabei unter anderem Betäubungsmittelkriminalität, Kfz- und Eigentumskriminalität, Urkunden- und Verbringungsdelikte sowie Schleusungskriminalität. Dafür wurde der Verkehr an der Kontrollstelle verengt und Fahrzeuge des Individualverkehrs selektiv zu einer Kontrollspur geleitet. Vor Ort arbeiteten gemischte Teams aus verschiedenen Behörden zusammen, um umfassende Überprüfungen durchzuführen.
Beteiligt waren neben Einsatzkräften der Polizeiinspektion Leer/Emden unter anderem das Grenzüberschreitende Polizeiteam Bunde, Kräfte der Polizeiinspektionen Aurich/Wittmund und Emsland/Grafschaft Bentheim, die Polizeidirektion Osnabrück, die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen, die Bundespolizei, das Hauptzollamt Oldenburg und Bremen, die Steuerfahndung Oldenburg sowie die Ausländerbehörde des Landkreises Leer.
Mehrere Straftaten festgestellt – Haftbefehl vollstreckt
Im Ergebnis stellten die Einsatzkräfte mehrere Straftaten fest. Dazu gehörten Fälle des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Urkundenfälschung sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Konsumcannabisgesetz. Zudem wurden mehrere Fahrzeugführer festgestellt, die unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen berauschenden Mittelnstanden. In einem Fall fanden Beamte bei einer Fahrzeugdurchsuchung Amphetamine. Darüber hinaus konnte ein per Haftbefehl gesuchter Mann festgenommen werden.
Auch im Bereich ausländischer Händlerkennzeichen registrierten die Einsatzkräfte mehrere Verstöße. In den entsprechenden Fällen wurde die Weiterfahrt untersagt und Ermittlungsverfahren eingeleitet. Neben Straftaten wurden zudem zahlreiche Ordnungswidrigkeiten festgestellt – unter anderem im Zusammenhang mit Waffenrecht, Aufenthaltsrecht und dem Güterkraftverkehrsrecht.
—
Hinweis: Das Artikelbild wurde mittels KI generiert und ist eine beispielhafte Darstellung zu dem Thema des Artikels. Es handelt sich hierbei nicht um eine Echtaufnahme.
Redaktion: LeserECHO Emden (nach einer Mitteilung der Polizeiinspektion Leer/Emden)
Anzeige
„Sei Mensch“: Ulli Schönrock verabschiedet sich nach 22 Jahren Gefängnisseelsorge
Foto: Ulli Schönrock -
Nach mehr als zwei Jahrzehnten als evangelischer Seelsorger in der Justizvollzugsanstalt Meppen-Versen tritt Ulli Schönrock in den Ruhestand. Der Lingener hat in seiner langen Dienstzeit Menschen in außergewöhnlichen und oft existenziellen Lebenssituationen begleitet. Sein Ansatz war dabei klar: Hinter jeder Tat steht ein Mensch, dessen Würde nicht verloren geht.
Im Gespräch anlässlich seines Abschieds gibt Schönrock Einblicke in die Gefängnisseelsorge, die Bedeutung von Zuhören und die Herausforderungen, Menschen nach einer Haftzeit wieder Perspektiven zu eröffnen.
Der Mensch ist mehr als seine Tat
Ulli Schönrock vertritt eine Haltung, die seine Arbeit in der JVA Meppen-Versen über viele Jahre geprägt hat: Ein Mensch ist nicht auf seine Schuld oder seine Taten zu reduzieren. Deshalb verzichtete er in Gesprächen mit Inhaftierten meist bewusst darauf, deren Akten vorab zu lesen.
„Gott steht auf der Seite der Opfer, aber er verlässt auch die Täterinnen und Täter nicht“, erklärt Schönrock. Für ihn bleibt die Würde eines Menschen unverlierbar, auch wenn dieser schwer gegen die Würde anderer gehandelt hat.
Seelsorge bedeute in diesem Zusammenhang nicht, Verantwortung kleinzureden oder Taten zu entschuldigen. Vielmehr gehe es darum, Menschen dabei zu unterstützen, sich mit ihrem Fehlverhalten auseinanderzusetzen, Veränderungen anzustoßen und langfristig wieder Teil der Gesellschaft zu werden.
Zuhören und Situationen gemeinsam aushalten
Eine Inhaftierung bedeutet für Betroffene einen tiefen Einschnitt. Der vertraute Alltag bricht weg, Kontakte verändern sich und die eigene Zukunft erscheint häufig ungewiss. Gerade in solchen Momenten sei es entscheidend, dass jemand da ist, zuhört und die Situation nicht vorschnell bewertet.
„Menschen brauchen jemanden, der da ist und die Situation gemeinsam aushält“, beschreibt Ulli Schönrock die Essenz seiner Arbeit.
Überraschend blickt der Seelsorger auf seine Zeit hinter Gefängnismauern auch als eine Phase großer Freiheit zurück. Abseits komplexer Verwaltungsstrukturen habe er sich auf die jeweilige Begegnung und den konkreten Moment konzentrieren können. Diese Aufmerksamkeit für die Menschen sei ein zentraler Bestandteil seiner seelsorgerischen Arbeit gewesen.
Wiedergutmachung statt reiner Ausgrenzung
Kritisch äußert sich Schönrock über ein Strafverständnis, das vor allem auf Ausgrenzung und Freiheitsentzug setzt. Er sieht darin ein Spannungsfeld: Soziale Verantwortung lasse sich nur schwer in einem Umfeld der vollständigen Kontrolle lernen.
Für nachhaltiger hält er den Gedanken der Wiedergutmachung. „Sie belässt den Menschen in seiner Verantwortung und gibt ihm die Möglichkeit, aktiv etwas zu verändern.“
Damit verbindet sich die Frage, wie Menschen nach einer Haftzeit wieder in die Gesellschaft zurückfinden können. Unterstützung, Verantwortung und die Bereitschaft zur Veränderung spielen dabei eine wichtige Rolle – sowohl für die Betroffenen selbst als auch für das gesellschaftliche Zusammenleben.
Entlassene sind die Nachbarn von morgen
Zum Abschied richtet Ulli Schönrock einen Appell an die Gesellschaft. Vorurteile gegenüber dem Strafvollzug, vereinfachende Aussagen über einen vermeintlichen „Hotelvollzug“ oder reine Rachegedanken würden der Realität nicht gerecht.
Sein Rat an Menschen, die bisher nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind, lautet: „Sagt niemals: ‚Das könnte mir nicht passieren.‘“
Gleichzeitig erinnert er daran, dass die Menschen, die eine Haftanstalt verlassen, wieder Teil des gesellschaftlichen Lebens werden: Die Entlassenen von heute sind die Nachbarn von morgen. Deshalb sei es wichtig, nicht nur über Strafe, sondern auch über Verantwortung, Veränderung und Wiedereingliederung zu sprechen.
„Sei aufmerksam. Sei wachsam. Sei Mensch.“
Auf die Frage, welchen Rat er seinem jüngeren Ich am ersten Arbeitstag in der Gefängnisseelsorge geben würde, antwortet Ulli Schönrock knapp, aber eindringlich: „Sei aufmerksam. Sei wachsam. Sei Mensch.“
Nach 22 Jahren in der JVA Meppen-Versen endet für ihn nun ein bedeutender beruflicher Abschnitt. Seine Worte machen deutlich, wie wichtig Begegnung, Zuhören und ein differenzierter Blick auf Menschen in schwierigen Lebenslagen bleiben.
Das Interview im Wortlaut
Das vollständige Interview mit Ulli Schönrock kann an dieser Stelle ergänzt werden.
Bildinformation:
Motiv: Ulli Schönrock
Quelle: Sprengel Ostfriesland-Ems
Interviewführung: Julia Fischer
Quellen/Kontakt/Hinweise:
Dieser Artikel basiert auf Informationen und einem Interview des Kirchenkreises Emsland-Bentheim. Für Rückfragen oder weitere Auszüge aus dem Interview können sich Medienvertreter direkt an den Kirchenkreis wenden.
—
Redaktion: LeserECHO Emden
Neues aus Emden
Zum Ferienstart: Paritätischer Niedersachsen fordert mehr Unterstützung für Care Leaver
Mit dem Beginn der Sommerferien endet für viele Schülerinnen und Schüler nicht nur ein Schuljahr, sondern häufig auch ein wichtiger Lebensabschnitt. Während zahlreiche junge Menschen beim Start in Ausbildung, Studium oder Beruf auf die Unterstützung ihrer Familien bauen können, stehen sogenannte Care Leaver oft vor deutlich größeren Herausforderungen. Darauf macht der Paritätische Niedersachsen zum Start der Sommerferien aufmerksam und fordert eine bessere Begleitung junger Menschen beim Übergang ins Erwachsenenleben.
Care Leaver starten oft ohne familiären Rückhalt
Als Care Leaver werden junge Erwachsene bezeichnet, die in Pflegefamilien oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe aufgewachsen sind. Für sie bedeutet das Ende der Schulzeit häufig gleichzeitig den Beginn eines selbstständigen Lebens – oftmals ohne ein stabiles familiäres Netzwerk.
Neben dem Einstieg in Ausbildung, Studium oder Beruf müssen viele von ihnen gleichzeitig eine eigene Wohnung finden, ihren Lebensunterhalt sichern und zahlreiche organisatorische sowie behördliche Angelegenheiten regeln.
Erhöhtes Risiko für Wohnungsunsicherheit und Ausbildungsabbrüche
Nach Angaben des Paritätischen Niedersachsen sind Care Leaver überdurchschnittlich häufig von Wohnungsunsicherheit betroffen. Zudem brechen sie ihre Ausbildung häufiger ab als gleichaltrige junge Menschen mit familiärer Unterstützung.
Hinzu kommt, dass viele Betroffene darum kämpfen müssen, auch nach ihrem 18. Geburtstag weiterhin Leistungen und Unterstützung der Jugendhilfe zu erhalten.
Paritätischer fordert verlässliche Begleitung
„Der Übergang ins Erwachsenenleben darf nicht zur Überforderung werden. Junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung brauchen verlässliche Begleitung – und zwar nicht erst, wenn Probleme entstehen“, erklärt Stefan Kamer, Kreisverbandsgeschäftsführer des Paritätischen Niedersachsen.
Wer ohne ein stabiles familiäres Netzwerk ins Erwachsenenleben starte, dürfe nicht allein gelassen werden. Es sei Aufgabe der Gesellschaft, allen jungen Menschen gleiche Chancen zu ermöglichen.
Unterstützung über das 18. Lebensjahr hinaus
Der Paritätische Niedersachsen spricht sich dafür aus, die Begleitung junger Menschen auch über die Volljährigkeit hinaus sicherzustellen. Gleichzeitig fordert der Verband den Ausbau von Selbstvertretungsstrukturen, damit Care Leaver ihre Interessen eigenständig vertreten und ihre Anliegen gegenüber Politik und Behörden besser einbringen können.
Nach Auffassung des Verbandes handelt es sich dabei nicht nur um eine soziale Aufgabe, sondern auch um eine Investition in die Zukunft. Ein gut abgestimmtes Unterstützungssystem könne dazu beitragen, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, Wohnungslosigkeit vorzubeugen und jungen Menschen langfristig stabile Perspektiven zu eröffnen.
Rund 16.000 junge Menschen in Niedersachsen betroffen
Nach Angaben des Paritätischen leben in Niedersachsen rund 16.000 Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe.
Mit dem von der Aktion Mensch geförderten Projekt „Wir reden mit!“ setzt sich der Paritätische Niedersachsen dafür ein, die Mitbestimmung dieser jungen Menschen zu stärken und ihnen eine stärkere Stimme bei politischen Entscheidungen zu geben, die ihr Leben unmittelbar betreffen.
Quellen/Kontakt/Hinweise:
Quelle: Paritätischer Niedersachsen.
—
Redaktion: LeserECHO Emden




