Neues aus Ostfriesland
Karfreitag in Ostfriesland: Ein Tag der Stille und der Besinnung
Emden. Der Karfreitag gilt als der „stillste Tag“ im christlichen Kirchenjahr. Er erinnert an das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz und ist gesetzlich besonders geschützt. In Ostfriesland, einer Region mit stark protestantischer Prägung, wird dieser Tag bis heute mit spürbarer Ernsthaftigkeit und Ruhe begangen.
Die besondere Bedeutung des Tages zeigt sich vor allem in der Stille. In ganz Niedersachsen gilt am Karfreitag das Tanzverbot, öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sind stark eingeschränkt. Auch im Alltag wird diese Ruhe gelebt: Viele Menschen verzichten bewusst auf laute Tätigkeiten, ziehen sich zurück und verbringen den Tag im privaten Kreis. Es ist ein Moment des Innehaltens, der sich tief in der regionalen Kultur verankert hat.
Fisch statt Fleisch: Eine lebendige Tradition
Kulinarisch ist der Karfreitag geprägt vom Verzicht auf Fleisch. Stattdessen kommt traditionell Fisch auf den Tisch – ein Symbol des Christentums und seit jeher Teil der Fastenregeln. In Ostfriesland sind es häufig Klassiker wie Scholle, Zander oder Hering, die an diesem Tag zubereitet werden. Entsprechend hoch ist in der Karwoche die Nachfrage bei Fischhändlern und auf den Märkten in Emden. Trotz des ernsten Hintergrunds bleibt das gemeinsame Essen ein verbindender Moment innerhalb der Familie.
Schlichte Kirchen und besondere Gottesdienste
Auch das kirchliche Leben spiegelt die Bedeutung des Karfreitags wider. In vielen Kirchen in Emden und der Krummhörn finden Gottesdienste statt, oft zur traditionellen Todesstunde Jesu um 15:00 Uhr. Auffällig ist dabei die bewusste Schlichtheit: Altäre sind leer oder mit dunklen Tüchern verhüllt, die Glocken läuten nur zurückhaltend. Diese reduzierte Atmosphäre lenkt den Blick auf das Wesentliche und unterstreicht den Charakter des Tages.
Zwischen Trauer und Hoffnung
Während der Karfreitag ganz im Zeichen der Besinnung steht, laufen im Hintergrund bereits die Vorbereitungen für Ostern. In vielen Orten werden schon Holzhaufen für die Osterfeuer aufgeschichtet, die am Wochenende entzündet werden. Gerade dieser Kontrast macht die Bedeutung des Tages deutlich: Ohne die Stille und Dunkelheit des Karfreitags wäre die Freude über das Osterlicht am Sonntag nicht dieselbe.
So bleibt der Karfreitag in Ostfriesland ein Tag, der zur Ruhe einlädt und daran erinnert, wie wichtig es ist, innezuhalten – eine Tradition, die in der weiten Landschaft der Region bis heute ihren festen Platz hat.
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Redaktion: LeserECHO Emden
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50 Jahre BORKUMLIJN: Vom Pionier zur starken Achse zwischen Eemshaven und Borkum
Foto: AG Ems Nederland B.V.- BORKUMLIJN -
Emden/Eemshaven. Die AG Ems Nederland B.V. – BORKUMLIJN hat am 8. Mai ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert und blickt auf eine Erfolgsgeschichte, die die Verbindung zwischen dem niederländischen Eemshaven und der Insel Borkum nachhaltig geprägt hat. Was Anfang der 1970er-Jahre mit ersten Hafenanlagen und saisonalen Ausflugsfahrten begann, ist heute eine leistungsfähige Fährverbindung – mit hoher Taktung, moderner Infrastruktur und klarer Ausrichtung auf Nachhaltigkeit.
„Rund 40 Prozent der Borkum-Reisenden starten inzwischen ab Eemshaven, bei den Pkw sind es sogar rund 60 Prozent“, betonte AG EMS-Vorstandsvorsitzender Dr. Wessel P. Brons. „In der Saison fahren wir bis zu sechs Mal täglich, bei Bedarf auch bis zu acht Mal.“ Sein Vorstandskollege Warner Warnders verwies auf die strategische Bedeutung des Standorts für die Offshore-Wirtschaft: Am Eemshaven entsteht bereits die dritte Service-Base der Unternehmensgruppe.
Auch aus der Region kommt Anerkennung. „Die Borkumlijn war 2002 Unternehmen des Jahres in der Provinz Groningen – ein Beispiel gelungener grenzüberschreitender Zusammenarbeit“, sagte Erik Jan Bennema, Gedeputeerde der Provinz Groningen. Groningen Seaports-CEO Bart-Jan Hoevers erinnerte an die Pionierrolle: „Erst vor drei Jahren feierte der Eemshaven seinen 50. Geburtstag. Die Borkumlijn war von Anfang an Motor der Entwicklung und hat mit dem Umzug in den Beatrixhaven bereits ihren dritten Hafenstandort bezogen.“
Meilensteine aus fünf Jahrzehnten
1973: Rückenwind durch die Eröffnung des Eemshaven durch Königin Juliana. Zunächst reine Passagierfahrten, u. a. mit der MS STADT BORKUM; an Bord ging es noch über hölzerne Gangways und Pontons.
1975–1977: Einsatz weiterer Schiffe wie MS NORDLICHT (I), POSEIDON und RHEINLAND (III). Die beliebten „Butterfahrten“ enden 1983 mit neuen Zollregeln; Fokus fortan auf der Fährverbindung.
1976: Gründung der Niederlassung im Eemshaven – der Name BORKUMLIJN ist geboren. Am Doekegatkanaal entsteht ein erster Terminal (5.000 m²).
1978: Umwandlung in die AG Ems Nederland B.V. – der Markenname BORKUMLIJN bleibt als Identitätsträger erhalten.
1985: Einweihung des neuen Terminals – mit Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Prinz Claus der Niederlande. Ab jetzt können auch Fracht und Pkw transportiert werden.
1993: Erweiterter Fahrplan – Borkum ist nun auch in den Wintermonaten ab Eemshaven erreichbar.
2001/2002: 25-jähriges Jubiläum mit Indienststellung des Katamarans POLARSTERN; Auszeichnung als „Unternehmen des Jahres“ der Provinz Groningen.
2006–2009: Neubau im Beatrixhaven – Spatenstich 2007, Eröffnung des neuen BORKUMLIJN-Terminals durch Königin Beatrix 2008; 2009 folgt ein Parkhaus.
2015: Inbetriebnahme eines schwimmenden Stegs für den Offshore-Sektor.
2018: Direkte Bahnverbindung Groningen–Eemshaven wird eröffnet – ermöglicht durch niederländisch-deutsche Kooperation; die AG EMS-Gruppe beteiligt sich mit über 2 Mio. Euro.
2022: Nachhaltiger Antrieb für die Flotte – die MS MÜNSTERLAND kehrt nach Umrüstung auf einen Dual-Fuel-Motor mit LNG zurück. Sie ist das dritte LNG-Schiff der AG EMS.

Foto: AG Ems Nederland B.V.- BORKUMLIJN: Provinz-Minister Erik Jan Bennema, Groningen Seaports CEO Bart-Jan Hoevers, AG EMS Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Bernhard Brons, AG EMS Vorstand Warner Warnders en AG EMS Vorstands-Vorsitzender Dr. Wessel P. Brons.
Starke Zahlen, klare Richtung
Heute ist die Linie Eemshaven–Borkum für Einheimische, Gäste und die Wirtschaft gleichsam unverzichtbar. Die hohe Nachfrage – insbesondere aus Nordrhein-Westfalen – unterstreicht die Rolle als kurze, bequeme und gut getaktete Verbindung zur Insel. Gleichzeitig entwickelt sich der Eemshaven zum Knotenpunkt für Offshore-Dienstleistungen: Die BORKUMLIJN profitiert von der Lage und investiert in Infrastruktur, die sowohl dem Passagierverkehr als auch der maritimen Wirtschaft zugutekommt.
„50 Jahre Borkumlijn stehen für Verlässlichkeit, maritime Kompetenz und enge Verbundenheit mit der Insel Borkum“, so Dr. Brons. „Wir investieren weiter in Komfort und nachhaltige Antriebstechnologien, damit die Verbindung Eemshaven–Borkum stark bleibt.“ Das Jubiläum würdigt nicht nur die Historie, sondern vor allem die Menschen dahinter: Mitarbeitende, Partner und Gäste, die die Route seit fünf Jahrzehnten tragen.
Blick nach vorn
Mit dem modernen Terminal im Beatrixhaven, der Bahnanbindung aus Groningen, hoher Abfahrtsdichte und der konsequenten Umstellung von Schiffen auf effizientere, emissionsärmere Antriebe setzt die BORKUMLIJN ihre Linie fort: zuverlässiger Inselverkehr, verlässliche Logistik, mehr Nachhaltigkeit – und gelebte Nachbarschaft zwischen Niedersachsen und den nördlichen Niederlanden.
Kontakt und weitere Informationen
AG Ems Nederland B.V. – BORKUMLIJN
Zum Borkumanleger 6, 26723 Emden-Außenhafen
www.ag-ems.de
Social Media: Instagram @Borkumfaehre, facebook.com/borkumfaehre
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Redaktion: LeserECHO Emden
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Die ostfriesische Tradition des Maibaums
Emden/Ostfriesland. Wenn Ende April die Dörfer geschmückt werden und frische Kränze im Wind wehen, beginnt in Ostfriesland eine der beliebtesten Bräuche des Jahres: das Aufstellen des Maibaums. Der hohe, geschälte Stamm – meist Birke oder Fichte – wird mit Maigrün, bunten Bändern, Kränzen und oft dem Wappen oder den Farben des Ortes geschmückt. An seiner Spitze krönt ihn ein Kranz oder eine kleine Tanne, Sinnbilder für Fruchtbarkeit, Wachstum und neues Leben. Wochen vor dem großen Tag ziehen Vereine, Feuerwehren und Nachbarschaften in den Wald, wählen einen geraden Baum aus und bereiten ihn gemeinsam vor. Kinder basteln Bänder und Fähnchen, Handwerker fertigen Schilder mit Vereinsnamen oder Jahreszahlen – ein Miteinander, das Generationen verbindet und den Dorfplatz in Vorfreude taucht.
Traditionell wird der Maibaum am Abend des 30. April oder am 1. Mai gesetzt – vielerorts noch „von Hand“, mit Seilen, Stangen und viel Muskelkraft. Begleitet von Musik, Plattdeutsch-Schnack und Anfeuerungsrufen markiert der Moment, in dem der Stamm senkrecht steht, den festlichen Höhepunkt. Rund um das Aufstellen entfaltet sich ein lebendiges Brauchtum: Maibowle und Grillwurst, manchmal ein kleiner Jahrmarkt oder der „Tanz in den Mai“, Lampionläufe für Kinder und Märsche der Kapellen, die den Platz mit vertrauten Melodien füllen. In etlichen Orten wird der Baum nachts „bewacht“, denn es gehört zum schelmischen Brauch, dass Nachbarschaften versuchen, den Maibaum zu „klauen“ oder ihn mit zusätzlicher Deko zu verzieren – ein freundlicher Wettstreit, der das Miteinander spielerisch feiert.
Der Maibaum steht in Ostfriesland für Gemeinschaftssinn, Heimatverbundenheit und die Freude über den beginnenden Sommer. Er ist zugleich Aushängeschild des Dorfes: Vereine präsentieren sich, Spender werden genannt, Gäste sind ausdrücklich willkommen. Je nach Ort bleibt der Baum bis Pfingsten oder den ganzen Sommer stehen. Beim Abnehmen des Kranzes wird oft nochmals gefeiert, und das Holz findet ein sinnvolles „Weiterleben“ – etwa für Vereinszwecke oder das nächste Oster- bzw. Sonnenwendfeuer. So schließt sich der Kreis ostfriesischer Festkultur: uralte Symbole des Frühlings treffen auf modernes Vereinsleben, gemeinsames Anpacken und frische Farben im Dorf – ein Fest, das Menschen aller Generationen zusammenbringt.
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Hinweis zum Teaserbild: Dieses Bild wurde mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und dient ausschließlich der illustrativen Darstellung. Es zeigt keine reale Begebenheit; etwaige Ähnlichkeiten mit realen Personen, Orten oder Produkten sind zufällig.
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Redaktion: LeserECHO Emden




